Was jede Mutter wissen sollte
Während der Schwangerschaft
Die Keimbesiedlung der Mutter mit kariesaktiven Bakterien ist entscheidend für das Kariesrisiko des Neugeborenen. Zwischen dem dritten und siebten Schwangerschaftsmonat ist es für die Mutter und auch das ungeborene Kind von enormer Wichtigkeit, ein bis zwei Mundhygienesitzungen beim Zahnarzt durchführen zu lassen, um die Keimzahl im Mund zu reduzieren.
Während der Schwangerschaft ist Vorsicht mit der Einnahme von Antibiotika (Tetracyclin) geboten, da diese zu Zahnschmelzschäden beim Ungeborenen führen können (Verfärbungen und Strukturschäden, was sich in erhöhter Kariesanfälligkeit bemerkbar macht).
Bei oftmaligem Erbrechen in der Schwangerschaft wird der PH-Wert im Mund der Mutter auf 2 herunterreduziert, wobei der Zahnschmelz durch die entstandene Übersäuerung aufgeweicht und beschädigt wird. Um den PH-Wert im Mund zu optimieren, wird ein 1 Teelöfel Backpulver in einem Wasserglas aufgelöst und damit nach dem Erbrechen mehrmals gespült. Wenn kein Backpulver vorhanden ist , bitte den Mund mit Wasser ausspülen.
Durch natürliche Mutter-Kind-Kontakte werden bereits von Geburt an kariesverursachende Bakterien von der Mutter auf das Kind übertragen, hier vor allem Laktobazillen und Streptococcus mutans.
Vorsicht beim – noch immer weit verbreiteten, weil gut gemeinten – Ablecken eines Schnullers: Hierbei werden dem Neugeborenen Bakterien in großen Mengen in den Mund “geimpft”! Vorsicht auch beim Zufüttern mit dem Löffel: Hier erfolgt ebenfalls die Bakterienübertragung durch das Ablecken des Löffels.
Zahndurchbruch
Schon von der sechsten Schwangerschaftswoche an bilden sich die Milchzähne. Alle 20 Milchzahnkronen sind bei der Geburt voll entwickelt und stehen dicht gedrängt im kleinen Kiefer. Auch der große, bleibende Mahlzahn, die Schneidezähne und die Eckzähne, die erst vom 3. bis 12. Lebensjahr durchbrechen, sind bereits vor der Geburt angelegt.
Das sichtbare Durchbrechen der Milchzähne erfolgt zwischen dem 6. und 8. Lebensmonat. Babys sind dann oft unruhig. Abhilfe schaffen oft gekühlte Beissringe.
Bereits der noch zahnlose Kiefer sollte morgens und abends mit einem Microfasertuch (Zahnputzphase) gereinigt werden. Dadurch wird das Kleinkind an die üblichen Putzzeiten gewöhnt. Bereits der 1. Milchzahn sollte mit einer Zahnbürste gereinigt werden.
Schnuller statt Daumen
Kiefergerechte Beruhigungssauger gibt es in zwei Größen (0 bis 6 Monate und ab 6 Monate). Der Schnuller kann später weggeworfen werden, der Daumen steht immer zur Verfügung.
Liegeposition des Babys
Durch Seiten- oder Rückenlage werden die korrekte Nasenatmung, der Kieferformende Mundschluss, die richtige Zungenlage und die Unterkieferentwicklung positiv beeinflusst. Atmet das Baby durch den Mund, wird die Atemluft nicht angewärmt und gefiltert. Folgen: Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Anfälligkeit auf Erkältungskrankheiten und chronische Entzündungen des Mittelohres, der Nasennebenhöhlen und der Rachenschleimhaut.
Ernährung des Kleinkinds
Das Baby sollte nicht an zuckerhaltige Tees, Säfte und Brei gewöhnt werden. Das Kleinkind sollte ein abwechslungsreiches Essen und Trinken mit vielen Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen und möglichst wenig Zucker einnehmen. Alles was kernig ist und zum Kauen anregt, hilft die Zähne zu schützen. Dabei führt langes Kauen zu verstärktem Speichelfluss und damit auch zu einer besseren Selbstreinigung der Zähne. Süße Teigwaren, klebrige Süßigkeiten und gesüßte Getränke produzieren schädliche Säuren und verursachen Karies.
Tipp
Alle Zutaten-Hinweise die auf “-ose” enden (zB. Lactose, Fructose) bedeuten Zucker! Zahnärzte empfehlen: Wurst und Käse als Brotbelag, statt Marmelade, Honig oder Nutella! Knäckebrot statt Weizenbrötchen (zB Semmeln). Vollkornbrot statt Kuchen. Milch und Wasser statt süße Fruchtsäfte.
Xylit ist ein in der Natur vorkommender Zuckeraustauschstoff, der Karies hemmt. In Zahnpflegekaugummis wird Xylit verwendet und sollte nach der Mahlzeit des Kindes ab dem 3. Lebensjahr zehn Minuten lang gekaut werden.
Natürlich können Süßigkeiten nicht ganz verhindert werden, dennoch sollte man auf zahnfreundliche Produkte achten, die mit dem “beschirmten Zahnmännchen” als Logo für zuckerfreie Süßwaren (die unschädliche Zuckeraustauschstoffen wie Xylit enthalten) gekennzeichnet sind.
Richtiges Pflegen der Milchzähne
Wichtig für Kinder ist die perfekte Vorbildrolle der Eltern, sowie die Kontrolle und das Nachputzen, z.B. durch die Eltern oder im Kindergarten. Kinder sollen von Anfang an lernen, systematisch in einer bestimmten Reihenfolge vorzugehen. Am einfachsten ist die „KAI-REGEL“: Kauflächen – Außenflächen – Innenflächen.
Die Zähne sollen morgens und abends gereinigt werden. Wenn zwischendurch gegessen wird, empfiehlt sich ein zuckerfreier Kaugummi (Anregung des Speichelflusses bis zu 300%). Körpereigener Speichel ist u.a. als Reparaturmechanismus beginnender kariöser Zerstörung der Zahnhartsubstanz anzusehen. Es erfolgt eine rasche Neutralisation Kariesverursachender Säuren. Außerdem wird die Re-Mineralisierung des Zahnschmelzes gefördert. Aus diesem Grund ist die Verwendung von zuckerfreiem – am besten xylitgesüßtem – Kaugummi zu begrüßen.
Warum sind gesunde Milchzähne so wichtig?
Kauen und Beissen
Eine gute Verdauung setzt voraus, dass die Speise schon in der Mundhöhle zerkleinert und eingespeichelt wird. Nur wenn die Zähne des Kleinkindes richtig zueinander stehen, ist ein vernünftiges Abbeißen und Zerkauen der Nahrung möglich.
Sprache
Bei einem regelrecht angelegtem Milchzahngebiss ist eine korrekte Aussprache etwas Selbstverständliches, wenn nicht noch andere Sprachstörungen vorliegen. Anders sieht es aus, wenn im Milchgebiss bereits mehrere Zähne oder auch nur der Frontzahn fehlen. Eine undeutliche Aussprache oder Lispeln sind dann meistens die Folge.
Platzhalterfunktion
Im Milchgebiss sind bereits die bleibenden Zähne angelegt. Die Milchzähne halten den Platz frei, für die erst im 9. bis 12. Lebensjahr durchbrechenden, seitlichen Backenzähne des bleibenden Gebisses. Wenn ein Milchbackenzahn vorzeitig entfernt werden muss, rutscht der Bleibende (Sechsjahr-Molar) früher, als von der Natur vorgesehen, in Richtung dieser Lücke. Für die später durchbrechenden kleinen Backenzähne, reicht der dann noch vorhandene Platz meist kaum aus. Die Folge ist, dass diese kleinen Backenzähne und gegebenenfalls auch der später durchbrechende bleibende Eckzahn weiter außen, oder viel zu weit innen durchbrechen. Umfangreiche Gebissfehlentwicklung ist dann oft die Folge. Eine kariöse Zerstörung sämtlicher Milchschneidezähne (in der Front) ist oftmals zu beobachten, wenn den Kleinkindern Nuckelfläschchen mit süßten Säften verabreicht werden.
Das Dauernuckeln von süßen Säften oder gesüßten Zuckertees führt zu einer ständigen Berieselung der oberen Schneidezähne, die dadurch in erheblichem Maße kariös verändert werden und oftmals bis zum Zahnfleischniveau regelrecht aufgelöst werden. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Zuckertee-Karies.
Fluoride
Fluor ist gasförmig und giftig. Fluor in Verbindung mit Amin, Zinn, Sodium, Natrium, etc. ist für die Hartsubstanzen unseres Körpers besonders wichtig. Osteoporose-Patienten bekommen daher grammweise Fluoride pro Tag verschrieben. Natürliches Vorkommen von Fluoriden: Mineralwasser, grüner Tee, Fisch und Meeresfrüchte, Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, etc.).
Der Fluoridgehalt in natürlichen Nahrungsmitteln ist für unsere Zahngesundheit zu gering. Fluoride re-mineralisieren den Zahnschmelz und beginnende Karies wird ausgeheilt. Der erste Milchzahn sollte bereits mit einer fluoridhaltigen Zahnpaste (zB Kinder-Elmex) gereinigt werden. Ab dem 6. Lebensjahr können Kinder eine Erwachsenen-Zahnpaste verwenden. Die Verabreichung von Fluoridtabletten wird kaum noch empfohlen.
Die Basisfluoridierung vom Baby bis zum Urgroßvater sichert das Bad Ischler Speisesalz (auf die gelbe Verpackung achten). Dieses Salz ist jodiert und fluoridiert und sollte zum Würzen der Speisen verwendet werden. Weitere Fluoridierungsmaßnahmen werden individuell bei der regelmäßigen Prophylaxe in Ihrer Zahnarztpraxis abgestimmt.
Kinderzahnbürsten
Zu beachten ist:
- altersgerecht aussuchen,
- kleiner Bürstenkopf,
- weiche Borsten,
- gut geformter Griff.
Professionelle Zahnreinigung bei Kindern
Ab dem 6. Lebensjahr empfohlen.
